Samstag, 13. März 2010

Der Gelegenheits-Vegetarier/ - Veganer ist dem Tierrecht sein Tod

Guten Abend allerseits,

der Zufall wills, die Weiten des Internets verhindern es nicht - ich hab mir ein schönes Thema zum Bloggen ausgedacht und die liebe Mausflaus kam mir zuvor.

Bloggen wollte ich über die vielen, vielen Menschen denen ich schon begegnet bin und sicher noch viele Male begegnen werden, die sich vegetarisch oder vegan schimpfen und bei genauem Nachhaken bzw. im Gesprächsverlauf, doch das ein oder andere tierliche Produkt verzehren, oder "nur ganz wenig" und "wenn dann bio".

Ich habe mir darüber oft so meine Gedanken gemacht, habe versucht es zu ignorieren und die Leute einfach machen zu lassen. Das geht dann - wenn man sich darüber dem Kopf zerbricht und sich mit den entsprechenden Leuten auseinandersetzt - auch ganz schnell über in eine Szenebewerterei à la "ich bin mehr vegan als du, weil ich dieses oder jenes Produkt kaufe und du nicht" oder "du bist kein richtiger Vegetarier, weil du Käse mit Lab isst..." usw. Sowas ist anstrengend, meiner Meinung nach kindisch und lenkt von den wichtigen Dingen ab.

Nichtsdestotrotz, sollte man doch mal über entsprechende Menschen sprechen. Was bewegt eine Person, wenn sie/er mit einem Vegetarier oder eine Vegetarierin bzw. Veganer/Veganerin spricht? Viele fühlen sich ertappt und steigen schnell ins Gespräch ein, mit Behauptungen, man würde auch nur ganz wenig Fleisch essen und wenn dann nur Bio. Und auch die Hühnereier, sind immer vom Bauer nebenan/aus den Dorf/von Bekannten...Milch trinke man auch nicht so oft. Eigentlich selten. Fast nie. Aber eben nur fast!

Ich habe tatsächlich noch nie jemanden getroffen, der/die den Mut hatte mir zu sagen, er/sie esse Fleisch gerne und es is völlig egal wo es herkommt. Noch nie.
Aber wo kommen sie denn dann her, die Massentierhaltungen? Die Legebatterien? Die freundlich, gutmütigen Kühe, zu Milchmaschinen reduziert? Das macht wohl keiner, nur weils so viel Spaß macht. Die Nachfrage ist da, da hilft das Weglügen und Verleugnen nicht.
Ein Mensch, der nur ab und zu Fleisch isst, ist so viel Vegetarier, wie ein Wolf im Schafspelz ein Schaf ist. Ein Mensch der sich eigentlich vegan nennt, außer dem Butterbrot morgens in der Früh, ist kein/e Veganer/in. Basta.

Wie wichtig ist da eine Begriffsdefinition? Eine Schubladendenkerei? Ich persönlich hasse Schubladen/Genres/Kategorien, aber sie machen es nunmal leichter, gerade für Menschen, die sich nicht auskennen.Vegetarier/innen essen, nach Definition, nichts vom toten Tier. Kein Fleisch jeglicher Art (und dazu zählt auch Fisch!!), keine gelatinehaltigen Produkte und kein Labkäse. Viele tragen auch kein Leder.
Veganer/innen essen nichts was vom Tier stammt. Kein Fleisch, nichts aus, oder mit Kuhmilch bzw. deren Bestandteile, keine Eier und keinen Honig. Natürlich geht das über den Tellerrand hinaus und man achtet in vielen anderen Lebenslagen auch auf tierleidfreie Produkte (Aber das ist wieder ein anderes Thema....).

Schlupflöcher kann man sich machen, wenn man damit klarkommt. Aber dann grapscht man bitte nicht gierig nach einer Bezeichnung und zieht andere, konsequentere Menschen, die da draußen viele viele Diskussionen führen müssen, in den Dreck, nur weil man sich gerade irgendwie zu etwas zählen möchte, was man vielleicht als "In" empfindet.
Es verletzt die vielen langjährigen Vegetarier/innen und Veganer/innen und führt letztendlich dazu, dass diese es im Alltag noch schwerer haben. Denn genau jene Möchtegerns sind der Grund, warum in der Bevölkerung der eigentlich präsente Begriff "vegetarisch" in den letzten Jahren doch wieder ziemlich dehnbar per Eigendefinition verschandelt wurde. Ganz zu schweigen vom Wörtchen "vegan", dass ohnehin kaum einer kennt. Und wenn, dann sind dass ja die "die nur ganz wenig Milch trinken"...

Meiner Meinung nach, sollten diejenigen, die sich in eine Kategorie drängen möchten und in die sie nicht reingehören, entweder den Mumm haben, es durchzuziehen - und zwar richtig - oder es bleiben lassen. Mit den vielen Zwischenschritten ist niemandem geholfen.
Moderscheinungen hinterherzulaufen zeugt von Konsequenzlosigkeit, von fehlender Willensstärke und fehlendem Denkvermögen.
Fest steht eins - denn wie das bei allen Modeerscheinungen so ist - werden die, die kapiert haben um was es geht, sich auf Dauer rauskristallisieren und ihren Standpunkt verteidigen (können), denn sie tun es nicht für andere, sondern für sich und die Tiere. Und darum sollte es in erster Linie gehen. Oder was meint ihr?

So, ich denke ich habe mich nun genug aufgeregt =) Zum Abschluss gibt es hier noch einige nützliche Links, u.a. auch zu dem Post von Mausflaus.

Voll vegan: Moderscheinung "flexible Vegetarier"

Vegetarismus: Begriffserläuterungen

Was ist vegan?






Die Isa meldet sich ab. Gibt schließlich noch einiges zu tun. =)

Kommentare:

  1. hui, danke fürs verlinken!

    ich finde, es hat nichts mit "ich bin besser als du" zu tun, wenn man Vegetarier, die Käse mit tierischem Lab essen, nicht als Vegetarier bezeichnet. Vegetarier heißt nichts vom toten Tier, und Kälbermagen ist ziemlich tot...
    es ist ja okay wenn jmd den käse trotzdem essen möchte, aber er ist dann halt kein Vegetarier.

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  2. Toller Beitrag, Isa.
    Volle Zustimmung meinerseits!

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  3. @Mausflaus Klar, da hast du Recht, allerdings sind in meinem Umfeld solche Diskussionen oft in Szenenbewerterei verfallen....was ich Schade finde, denn man verliert den Sinn fürs Wesentliche.

    @Hase: Dankeschön =)

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  4. "Vegetarier essen zum Geburtstag auch mal ein Würstchen." sagte jemand aus meinem Mathekurs über ein Mädchen, dass sich als "Vegetarier" bezeichnet.

    Meine vegane Freundin und ich schauten uns einfach nur kopfschüttelnd an.


    Deinem Blog werde ich in Zukunft folgen. =)

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  5. Ich finde dieses Kategorisieren auch nicht immer Hilfreich!Ich versuche mich,so gut es geht vegan zu ernähren,weil ich Tiere nicht benutzen möchte.Wir sind aber in einer Gesellschaft,wo es bei realistischer Betrachtung,so gut wie unmöglich ist,100%tig vegan zu Leben oder zu Ernähren!Ich habe auch eine gewisse Zeit lang den Begriff vegan,nicht für mich in Anspruch genommen,sondern erwähnt auf Tierprodukte so gut es geht zu Verzichten.Wenn schon vegetarier&veganer untereinander nicht klar kommen,dann sieht es nicht gut aus für die Zukunft!Wichtig für mich ist,das einfach weniger Tierprodukte konsumiert werden,egal wie derjenige sich nennen möchte......!
    Wenn sein muss auch Flexitarier ;-)
    Gruss Sascha

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  6. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  7. @ Sascha nein, das finde ich nicht! Denn diese Flexitarier sind der Grund, warum viele Menschen, die es konsequent durchziehen und es schwer haben, kopfschüttelnd angeschaut werden und sich Diskussionen unterziehen (müssen). Wenn mehr Menschen wirklich wüssten, was Sache ist, wären die anderen aufgeklärter und solche Flexitarier gäbs gar nicht. Bzw. nicht so häufig. Diese Flexitarier bremsen das Ganze nämlich ungemein. Viele schließen sich dem an, mit der Meinung, es sei ja total leicht Vegetarier zu sein. Denn Fisch ist ja erlaubt und ab und zu ein Würstchen...schließlich benutzt man ja weniger Tierprodukte usw. Aber selbst, wenn unserer Meinung nach weniger Tierprodukte konsumiert werden, erzeugen sie immer noch Tierleid. Auch wenn viele Menschen wenig tierliche Produkte konsumieren, wird immer noch eine Nachfrage da sein und Tiere werden gequält.

    @ Hazel Omg, sowas hab ich auch schon gehört, so ähnlich - traurig. Danke fürs Folgen =)

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  8. @VeganIza
    Wenn jemand wirklich wissen will,was hinter den Produkten(Tier)steckt,dann kann er sich sehr einfach und schnell informieren!Diese Leute,die wirklich Wissen/Sehen wollen,wie Massentierhaltung funktioniert,werden auch an Informationsquellen kommen,aber wird sie das auch in ihrer Ausrichtung verändern?Die Gesellschaft ist doch schon viel zu abgestumpft&festgefahren,um sich von Bildern und Videos beeindrucken zu lassen!Vielleicht kurzfristig Geschockt,aber nur wenige verändern dann ihre Einstellung,deshalb bin ich schon froh über einige Flexitarier&co.!
    Mir selbst war 34jahre lang egal,was hinter den "Kulissen"passiert,bin dann von einen auf den andern Tag "vegan" geworden,wieso nicht eher?Ich konnte an Quellen kommen,die mehr zeigen,als die glückliche Weide-Kuh,aber ich war einfach nicht daran interessiert!Vielleicht bin ich auch deshalb,weil ich selbst lange zeit gebraucht habe,um mein Gewissen/Verantwortung zu entdecken,mit kleinen Schritten in die Richtung reduzierung von Tierprodukten zufrieden!Wenn es nach mir ginge,wäre ich für die sofortige Abschaffung von Tierhaltung/Tiernutzung!
    Gruss Sascha

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  9. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  10. @Sascha:
    Ich glaube schon, dass Potenzial da ist. Viele Menschen, mit denen ich mich unterhalte, sagen spätestens bei der Schilderung des Umgangs mit den kleinen Küken bei der Eierproduktion oder ähnlichem, ich soll aufhören, man könne sich das nicht ansehn, das nicht hören, man wäre zu weich für solche Geschichten.
    Klar, es gibt viele, die es nicht interessiert. Aber die Frage ist immer, worin das Desinteresse besteht, oder wo es herrührt. Viele verschließen nämlich die Augen einfach und wollen nichts sehen oder hören, weil sie zu viel ändern müssten...

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  11. @VeganIza
    Der Mensch ist ein Gewohnheitstier :-) (Leider)
    Gruss Sascha

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  12. Ich habe immer Fleisch gegessen, möchte mich aber neuerdings auch vegan ernähren und habe dazu viel gelesen. Ich ziehe das jetzt auch seit einigen Wochen konsequent durch, verzichte auf alles, was tierische Bestandteile (auch in Aromen, E-Nummern usw)hat und mir fehlt nichts, meine Eltern sind aber leider nicht so begeistert. Wegen der ewigen Calcium-Diskussion haben wir uns jetzt auf ein Glas Milch die Woche geeinigt. Da ich noch zu Hause lebe und keine permanenten Streitigkeiten mit meinen Eltern (und ihrer festgefahrenen Meinung) möchte, ist das der zur Zeit einzige Kompromiss.
    Ich stimme deinem Eintrag zwar zu, möchte aber einbfach anmerken, dass es manchmal gar nicht soe infach ist, sich streng vegan zu ernähren, wenn man auf Ablehnung oder Intoleranz stößt oder eine Lebensmittelallergie hat.

    Grüße, Franziska

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